Was zeichnet den systemischen Blick auf eine Organisation aus?

14.06.2022
Gabi Westerteiger, Meika Podewski  und Manfred Meyer

Tom Küchler hat den 13. agile Groupies Coaching Circle mit einem kurzweiligen Impuls eingeläutet. Tom ist als Coach und Trainer bundesweit aktiv. Er ist Lehrender für systemische Beratung, Supervision, Coaching, Organisationsentwicklung und Führung. Sein Schwerpunkt sind Führungskräfte-Coaching und -Training sowie die Begleitung von Organisationsentwicklungsprozessen.

Mit seinem Know-How und tollen bildlichen Beispielen aus der Praxis hat er über 40 agile Groupies - also Kolleg*innen aus 13 Otto Group Unternehmen den systemischen Blick auf eine Organisation näher gebracht.

Bevor Tom die systemische Brille aufgesetzt hat, erläuterte er seine Haltung. Die kann im wesentlichen mit vier Begriffen zusammengefasst werden: "Anerkennung", "Nicht-Wissen", "Neutralität" und "Multi-Parteilichkeit". Dahinter steckt der Gedanke neutral und anerkennend auf eine Organisation zu schauen. Tom erklärte: "Jedes Handeln ergibt Sinn. Es kommt halt auf die Perspektive an. Auch wenn auf dem ersten Blick ein Handeln vollkommen unlogisch oder sogar falsch erscheint, ist es aus der Sicht bzw. Perspektive des Handelnden vollkommen richtig so zu handeln, sonst würde Derjenige, Diejenige es ja nicht tun".

Das Beispiel des in schwarz gekleideten Mannes, der wild gestikulierend auf einer "Wiese" hin und her läuft, wirkt von außen betrachtet erst einmal vollkommen befremdend, wenn wir uns aber die systemische Brille aufsetzen und nicht pointiert auf den Mann schauen, sondern das Umfeld, sprich den Kontext, betrachten, dann macht sein Handeln Sinn. Und ja, wenn wir ein Fußballspiel sehen, dann ist uns sofort klar, warum der Schiedsrichter ständig auf der Wiese hin und her läuft und gestikuliert.

In der Systemtheoretischen Betrachtung wird nicht der einzelne Mensch betrachtet sondern immer das System, das Umfeld in dem der Mensch agiert. Es geht nicht um den Fisch im Wasserglas, es geht um das Wasser. In der Organisationentwicklung heißt das, es geht um den Prozess, das System und die Zusammenarbeit der Akteure.

Nach dem Impuls ging es in 3er Gruppen in kleine Praxiswerkstätten. In den Gruppen wurde anhand eines Beispiels aus dem eigenen Umfeld die systemische Brille aufgesetzt.

Welche Muster, Dynamiken und Wechselwirkungen sind in der eigenen Organisation sichtbar? Welche "Zuschreibungen/ Bewertungen" und "triviale Erklärungsmodelle" sind erkennbar? Angenommen, es würden andere "Bewertungen" vorgenommen, wie könnte sich dies auswirken? Welchen Sinn ergeben die Verhaltensweisen, wenn der Kontext einbezogen wird? Angenommen alle Beteiligten hätten einen größeren Überblick bezüglich des Kontextes - wie würde sich dies auswirken? Welche "positiven Absichten" und "guten Gründe" könnten zu den Verhaltensweisen einladen? Welche "Steuerungsversuche" werden (von welcher Person/ Gruppe mit welchem Erfolg) unternommen? Was würde passieren, wenn die Steuerungsversuche ausbleiben?

Nach den 30 minütigen Praxiswerkstätten waren sich alle einig, wir sollten uns viel öfter die systemische Brille aufsetzen und nicht vorschnell urteilen. Denn, jedes Handeln ergibt Sinn :-)

Wir danken Tom sehr, für diesen grandiosen Impuls!

Zum Schluss wählten die agile Groupies das Thema für den 14. Coaching Cirlce. Es wird um "gewaltfreie Kommunikation" gehen.

Bis dahin wünschen wir euch viel Vernetzung und einen großzügigen Wissensaustausch in der agile Community der OttoGroup.

Liebe Grüße

Gabi, Meika und Manfred

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